Liebe Zuschauer DELUXE,
nach uns werden Generationen von Linguistikern darüber arbeiten, wie es dazu kommen konnte, dass der banalste Buchstabe im lateinischen Alphabet zum Star einer iFirlefanz-Generation werden konnte. Die digitale Bohème aus Cupertino hat sich das profane und doofe "i" ausgesucht, um ihr Business aufzupimpen. iPuristen werden jetzt entgegenhalten: das "i" ist nicht doof (!!), sondern einfach, ohne Schnörkel halt.
Ja. Vielleicht. Aber um wie viel eleganter, und der menschlichen Intelligenz entsprechender, ist doch z.B. ein "G". Schlicht perfekt ist das "O". Aber oPod klingt halt irgendwie nach Stoffwechselprodukt oder Pauschalreiseportal. Sei's drum. Jeder kann jetzt sein Business bedeutungsschwanger mit dem "i" vor Kunst- und Hauptwort botoxen. "iDöner" klingt doch völlig befreit von altölig-anatolischem Imbisswagen. "iGuido" bringt komplett kantenbefreit die applesche Oberflächenpolitur, glatt und gleitfähig, sogar politisch auf den "iPunkt". Und beim nächsten Recall präsentiert sich der "iBohlen". Der besteht dann nur noch aus Oberfläche, ist dann noch weniger drin als im neuen "iPad". Redux to the Max: Sich einmal leicht vor ihm bewegen und der "iBohlen" schüttet einen Schwall Verbalinjurien aus.
Und genau darum geht es doch, weniger ist mehr (vor allem von dem). Das Leben ist komplex genug. iSimplify my iLife! My iFrank Schirrmacher schrieb kürzlich in der Papier-F.A.Z. über den vielkritisierten iPad: "Die Menschen wollen es einfacher haben und bequemlicher, nicht nur was die Bedienung von Computern betrifft." Ja Frank, das unterschreibe ich blind. Nun muss es ja in Sachen Bequemlichkeit nicht gleich so laufen wie bei Arno Dübel, der feierte gerade auf allen Kanälen dreißig Jahre Stütze. Von iWork hat der noch nie was gehört. Damit mir meine Tochter später nicht mal den "iDübel" macht, verkaufe ich ihr gerade den "iFleiß". Mal ehrlich, kommt doch cooler als, "Du, lern' doch nochmal Lateinvokabeln." Mit Abstand betrachtet wäre ein T-Shirt mit dem Aufdruck "iStreber" wahrscheinlich noch ein echter Renner. Leider funktioniert die Sache mit dem "i" nicht grundsätzlich: "iSPD" würde den roten Laden auch nicht aus dem Quotentief holen, ein "iLöw" is' zwar'n cooler Bundestrainer, aber ein anstehendes Vertragsupdate hätte ihn fast zum abstürzen gebracht, und TV-Schnullerbacke Kai Pflaume wird auch als "iPflaume" irgendwie nicht cooler. Quod erat demonstrandum.
Herzlichst,
Ihr
Markus Langemann
ml@deluxemusic.tv
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