Liebe Zuschauer DELUXE, das Beben in Chile hat durch die Erschütterungen die Erdachse verschoben. Na prima! Das auch noch. Angeblich hat sich auch die Erdumdrehung beschleunigt, was die Tage kürzer macht. In einer ersten spontanen, stillen Minute dachte ich: Licht aus! Apocalypse Now! Jetzt geht alles dahin. Fußball-WM, Wetten, dass..?, Sylt, Steuererklärung, mein Laphroaig, mein Kohlegrill, Frau und Kind. Alles, was man halt so über die Jahre lieb gewonnen hat. Ich muss dann demnächst wieder von vorne anfangen. Als Yps-Urzeitkrebs. Ja, ich dachte wirklich, alles kommt so, wie es die düsteren Ahnungen meiner hochbetagten Nachbarin schon lange prophezeien: Die zu spirituell-spiritistisch-new-agigen Zirkeln neigende Lady orakelt seit Jahren, dass die Welt noch in dieser Legislaturperiode untergehen wird. Nun hab' ich aber erstens dieses Optimisten-Gen und zweitens nachgedacht.
Krise kann nämlich ein produktiver Zustand sein, man muss ihr bekanntlich nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Wer weiß, wozu so 'ne verschobene Erdachse tatsächlich gut ist? Vielleicht rückt sie ja die verqueren Moralvorstellungen der katholischen Kirche gerade und lässt Günter Wewel geräuschlos in der ARD ausrutschen. Möglicherweise wird der Bundeshaushalt wieder hingerückt oder Whitney Houston trifft die Töne besser. Vieles kann sich mit einem gehörigen Durchrüttler auch gerade richten, z.B. die schiefen Zähne von Paul Potts. Wenn die Tage nach Chile aber kürzer werden, vor allem die Arbeitstage, finde ich das nicht so schlimm. Im Dunkeln kann man auch ganz freudvolle Sachen machen. Feuerwerke veranstalten, Late Night Shows ausstrahlen, Champignons züchten. Bei längerem Nachdenken fiele mir vielleicht noch mehr ein. Insgesamt wird ja dann vieles kürzer: Die Amtszeit von Theo Zwanziger, der Sommerschlussverkauf, die Sendezeit von 9Live.
Gerade in diesem Moment las ich dann, dass sich durch den bebenbedingten zunehmenden Drall der Erde die Dauer eines Tages um 1,26 Millionstel Sekunden verkürzt hat. Schockschwerenot! Enttäuschung. Daran würde sich wahrscheinlich Prof. Lesch zwei ZDF-Sendungen lang berauschen, mich hat es eher enttäuscht. Das war dann doch nicht so viel kürzer wie ich dachte. Ist dann eher eine Flatulenz im Universum. Fein. Dann kommen die Sommerferien doch nicht schneller. Hat alles auch sein Gutes. Alles bleibt so wie es ist. Tage. Stunden. Minuten. Sekunden.
DELUXE.
Herzlichst,
Ihr
Markus Langemann
ml@deluxemusic.tv
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